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Wie funktioniert Abwärmenutzung in Industrieanlagen?

Jörg Steinbrücker ·
Industrieller Luftkompressor mit Wärmetauscher und isolierten Leitungen auf Fabrikboden, Abwärme über Metalloberflächen sichtbar.

Abwärmenutzung in Industrieanlagen funktioniert, indem thermische Energie, die bei Produktionsprozessen als Nebenprodukt entsteht, gezielt erfasst, übertragen und für andere Zwecke nutzbar gemacht wird. Statt diese Wärme ungenutzt an die Umgebung abzugeben, wird sie in den Energiekreislauf des Betriebs zurückgeführt. Die folgenden Fragen erläutern, wo Abwärme entsteht, welche Verfahren zur Verfügung stehen und wie die Planung einer Wärmerückgewinnungsanlage konkret abläuft.

Welche Wärmequellen entstehen in Industrieanlagen?

In Industrieanlagen entstehen Wärmequellen überall dort, wo Energie umgewandelt oder mechanische Arbeit verrichtet wird. Die häufigsten Quellen sind Kompressoren, Kältemaschinen, Trocknungsanlagen, Öfen, Motoren und Abgasströme aus Verbrennungsprozessen. Jede dieser Quellen gibt thermische Energie ab, die ohne gezielte Nutzung als Verlust anfällt.

Besonders bedeutsam sind dabei Druckluftanlagen: Bei der Verdichtung von Luft entsteht Kompressionswärme, die einen erheblichen Teil der eingesetzten elektrischen Energie ausmacht. Weitere relevante Wärmequellen sind Kühlwasserkreisläufe, Hydrauliksysteme und industrielle Prozessabluft. Die Temperaturniveaus dieser Quellen variieren stark, was für die Wahl des geeigneten Rückgewinnungsverfahrens entscheidend ist. Niedertemperaturwärme eignet sich beispielsweise gut für Raumheizung oder Warmwasserbereitung, während Hochtemperaturabwärme auch für Prozesswärme nutzbar gemacht werden kann.

Wie wird Abwärme aus Kompressoren zurückgewonnen?

Abwärme aus Kompressoren wird zurückgewonnen, indem die bei der Luftverdichtung entstehende Kompressionswärme über Wärmetauscher aus dem Kühlkreislauf des Kompressors abgeleitet und in ein nutzbares Wärmeträgersystem eingespeist wird. Moderne ölgekühlte Schraubenkompressoren ermöglichen dabei die Rückgewinnung von bis zu 90 Prozent der zugeführten elektrischen Energie in Form von nutzbarer Wärme.

Das Prinzip ist technisch vergleichsweise unkompliziert: Das Kühlöl oder Kühlwasser des Kompressors nimmt die Kompressionswärme auf und gibt sie an einen externen Wärmetauscher weiter. Von dort kann die Wärme direkt für Heizzwecke, zur Warmwasserbereitung oder zur Unterstützung von Prozesswärme genutzt werden. Bei luftgekühlten Kompressoren lässt sich die erwärmte Abluft ebenfalls gezielt in Gebäude oder in Trocknungsprozesse einleiten. Die Effizienz der Wärmerückgewinnung hängt von der Betriebstemperatur, dem Volumenstrom und der Auslastung des Kompressors ab.

Welche Verfahren der Abwärmenutzung gibt es?

Die wichtigsten Verfahren der Abwärmenutzung in Industrieanlagen sind die direkte Wärmeübertragung über Wärmetauscher, die Nutzung über Wärmepumpen zur Temperaturniveauanhebung sowie die Stromerzeugung über thermoelektrische Generatoren oder ORC-Systeme (Organic Rankine Cycle). Die Wahl des Verfahrens richtet sich nach dem verfügbaren Temperaturniveau und dem Wärmebedarf des Betriebs.

  • Direkte Wärmeübertragung: Wärmetauscher leiten die Abwärme unmittelbar an Heizkreisläufe, Warmwassersysteme oder Prozesse weiter. Dieses Verfahren ist einfach, wartungsarm und bei mittleren bis hohen Temperaturniveaus besonders effizient.
  • Wärmepumpen: Sie heben das Temperaturniveau von Niedertemperaturabwärme an, sodass auch Wärmequellen unterhalb von 40 Grad Celsius sinnvoll nutzbar werden. Besonders geeignet für Raumheizung und Warmwasseraufbereitung.
  • ORC-Systeme: Der Organic Rankine Cycle wandelt Abwärme in elektrischen Strom um und eignet sich vor allem für kontinuierlich anfallende Hochtemperaturabwärme ab etwa 80 Grad Celsius.
  • Abwärmenutzung über Abluft: Erwärmte Prozessabluft wird über Wärmerückgewinnungsgeräte geführt und die enthaltene Energie zur Vorwärmung von Zuluft oder für Heizzwecke genutzt.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial durch Abwärmenutzung?

Das Einsparpotenzial durch Abwärmenutzung in Industrieanlagen ist erheblich und hängt stark vom jeweiligen Prozess ab. Bei Druckluftanlagen, wo Wärmerückgewinnung besonders gut erschlossen ist, lassen sich durch systematische Nutzung der Kompressionswärme signifikante Teile des Wärmebedarfs eines Betriebs decken, ohne zusätzliche Energie aufwenden zu müssen.

Konkret bedeutet das: Ein Betrieb, der Kompressoren kontinuierlich betreibt, kann einen beträchtlichen Teil seines Heizwärme- oder Warmwasserbedarfs aus der Kompressionswärme decken, die sonst ungenutzt abgeführt würde. Das reduziert den Bedarf an fossil erzeugter Wärme und senkt damit sowohl Energiekosten als auch CO2-Emissionen. Das tatsächliche Einsparpotenzial lässt sich nur durch eine messtechnisch gestützte Analyse des individuellen Betriebs zuverlässig bestimmen, da Auslastung, Temperaturniveaus und Wärmebedarf stark variieren. Eine fundierte Energieberatung für Industrieanlagen schafft hier die notwendige Grundlage für belastbare Aussagen.

Wann lohnt sich eine Wärmerückgewinnungsanlage?

Eine Wärmerückgewinnungsanlage lohnt sich, wenn kontinuierlich anfallende Abwärme auf einem nutzbaren Temperaturniveau vorhanden ist und gleichzeitig ein entsprechender Wärmebedarf im Betrieb besteht. Je höher die Betriebsstunden und je größer die Leistung der wärmeerzeugenden Anlage, desto schneller amortisiert sich die Investition.

Besonders wirtschaftlich ist der Einsatz in folgenden Situationen:

  • Betriebe mit hohen Kompressorleistungen und langen täglichen Laufzeiten
  • Anlagen mit ganzjährigem Heiz- oder Warmwasserbedarf
  • Produktionsbetriebe, die Prozesswärme für Trocknung, Reinigung oder Temperierung benötigen
  • Unternehmen, die ihre Energiekosten strukturell senken und Nachhaltigkeitsziele erreichen wollen

Weniger rentabel ist eine Wärmerückgewinnungsanlage, wenn der Wärmebedarf stark saisonal schwankt, die wärmeerzeugende Anlage nur selten ausgelastet ist oder das verfügbare Temperaturniveau zu niedrig für den geplanten Verwendungszweck ist. In solchen Fällen kann eine Kombination mit Wärmepumpen die Wirtschaftlichkeit verbessern.

Welche Schritte umfasst die Planung einer Abwärmenutzungsanlage?

Die Planung einer Abwärmenutzungsanlage umfasst im Wesentlichen die Analyse der vorhandenen Wärmequellen, die Erfassung des Wärmebedarfs, die Auswahl des geeigneten Verfahrens, die technische Auslegung und schließlich die Integration in den bestehenden Anlagenbestand. Eine strukturierte Vorgehensweise ist entscheidend, um Fehlinvestitionen zu vermeiden und das volle Einsparpotenzial auszuschöpfen.

  1. Bestandsaufnahme und Messtechnik: Zunächst werden alle relevanten Wärmequellen im Betrieb identifiziert und messtechnisch erfasst. Temperaturniveaus, Volumenströme und zeitliche Verfügbarkeit der Abwärme werden dokumentiert.
  2. Bedarfsanalyse: Parallel dazu wird der tatsächliche Wärmebedarf des Betriebs ermittelt, aufgeschlüsselt nach Verwendungszweck, Temperaturniveau und zeitlichem Profil.
  3. Konzeptentwicklung: Auf Basis der Messdaten wird ein Nutzungskonzept entwickelt, das Wärmequellen und Wärmesenken optimal miteinander verbindet und das geeignete Verfahren festlegt.
  4. Technische Auslegung: Wärmetauscher, Rohrleitungen, Pumpen und Regelungstechnik werden dimensioniert und auf die spezifischen Betriebsbedingungen abgestimmt.
  5. Umsetzung und Inbetriebnahme: Die Anlage wird installiert, in den Betrieb integriert und nach der Inbetriebnahme auf ihre Effizienz überprüft.
  6. Monitoring und Optimierung: Nach der Übergabe sollte die Anlage regelmäßig überwacht werden, um sicherzustellen, dass die geplanten Einsparungen dauerhaft erreicht werden.

Wie Galek & Kowald bei der Abwärmenutzung unterstützt

Galek & Kowald begleitet Industriebetriebe von der ersten Analyse bis zur schlüsselfertigen Wärmerückgewinnungsanlage. Als erfahrener Partner im Anlagenbau und Vertragspartner von Atlas Copco verbindet das Unternehmen messtechnisch gestützte Energieberatung mit der praktischen Umsetzung effizienter Lösungen für Druckluft-, Vakuum- und Kälteanlagen.

Das Leistungsangebot im Bereich Abwärmenutzung und Energieeffizienz umfasst konkret:

  • Messtechnische Analyse vorhandener Wärmequellen und des betrieblichen Wärmebedarfs
  • Entwicklung individueller Energieeinsparkonzepte auf Basis belastbarer Messdaten
  • Planung und Auslegung von Wärmerückgewinnungsanlagen für Kompressoren und andere Industrieanlagen
  • Schlüsselfertige Umsetzung inklusive Rohrleitungsbau, Steuerungstechnik und Inbetriebnahme
  • Langfristige Begleitung und Optimierung der Anlagen nach Projektabschluss

Wer das Einsparpotenzial der eigenen Industrieanlage konkret ermitteln und systematisch erschließen möchte, findet bei Galek & Kowald einen kompetenten Ansprechpartner. Nehmen Sie jetzt Kontakt mit Galek & Kowald auf und lassen Sie Ihre Anlage auf Abwärmepotenziale analysieren.

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