n/a Skip to main content

Was sind Industriewärmepumpen und wie funktionieren sie?

Jörg Steinbrücker ·
Industrielle Wärmepumpe in einer Fabrikhalle mit Stahlrohren, Wärmeschimmer und dramatischen Schatten in Kupfer- und Stahltönen.

Eine Industriewärmepumpe ist eine technische Anlage, die Umgebungswärme, Abwärme oder andere Wärmequellen auf ein höheres Temperaturniveau anhebt und so als nutzbare Prozesswärme bereitstellt. Sie funktioniert nach dem gleichen thermodynamischen Prinzip wie eine Haushaltswärmepumpe, ist jedoch für deutlich höhere Leistungen, Temperaturen und den Dauerbetrieb in industriellen Umgebungen ausgelegt. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Funktionsweise, Einsatzbereiche und Wirtschaftlichkeit von Wärmepumpen in der Industrie.

Wie funktioniert eine Industriewärmepumpe technisch?

Eine Industriewärmepumpe nutzt einen geschlossenen Kältemittelkreislauf, um Wärme von einer niedrigen auf eine höhere Temperatur zu übertragen. Ein Verdichter erhöht den Druck des gasförmigen Kältemittels, wodurch dessen Temperatur steigt. Diese Wärme wird im Verflüssiger an den Prozess abgegeben, bevor das Kältemittel expandiert und erneut Wärme aus der Quelle aufnimmt.

Der Kreislauf besteht aus vier Kernkomponenten: Verdampfer, Verdichter, Verflüssiger und Expansionsventil. Im Verdampfer nimmt das Kältemittel Wärme aus der Quelle auf, zum Beispiel aus Abluft, Abwasser oder industrieller Abwärme, und verdampft dabei. Der elektrisch angetriebene Verdichter komprimiert das Gas und erhöht so dessen Energieniveau. Im Verflüssiger gibt das Kältemittel die aufgenommene Wärme zuzüglich der Verdichterarbeit an das Prozessmedium ab. Das Expansionsventil senkt anschließend Druck und Temperatur, damit der Zyklus von vorne beginnen kann.

Entscheidend für den Wirkungsgrad ist das Verhältnis zwischen nutzbarer Wärme und eingesetzter elektrischer Energie, ausgedrückt als Coefficient of Performance (COP). Moderne industrielle Wärmepumpen erreichen COP-Werte zwischen 3 und 6, was bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom drei bis sechs Kilowattstunden Wärme gewonnen werden. Die Energieeffizienz der Anlage hängt dabei maßgeblich von der Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Nutzwärme ab.

Welche Arten von Industriewärmepumpen gibt es?

Industriewärmepumpen werden nach ihrer Wärmequelle und ihrer technischen Bauweise unterschieden. Die verbreitetsten Typen sind Kompressionswärmepumpen, Absorptionswärmepumpen und Adsorptionswärmepumpen, wobei die Kompressionswärmepumpe in der Industrie am häufigsten eingesetzt wird.

Kompressionswärmepumpen

Kompressionswärmepumpen arbeiten mit einem mechanisch angetriebenen Verdichter und sind für ein breites Leistungsspektrum verfügbar. Sie eignen sich besonders gut für Prozesse, die Temperaturen bis etwa 160 Grad Celsius benötigen. Hochtemperatur-Kompressionswärmepumpen können in bestimmten Ausführungen sogar Temperaturen bis 200 Grad Celsius erreichen und damit einen großen Teil industrieller Wärmeanwendungen abdecken.

Absorptions- und Adsorptionswärmepumpen

Absorptionswärmepumpen nutzen statt eines elektrischen Verdichters einen thermisch angetriebenen Sorptionsprozess. Sie sind sinnvoll, wenn günstige Abwärme oder Prozessgas als Antriebsenergie verfügbar ist. Adsorptionswärmepumpen arbeiten mit festen Sorptionsmitteln und kommen vor allem dort zum Einsatz, wo sehr niedrige Antriebstemperaturen genutzt werden sollen. Beide Varianten ergänzen die elektrisch betriebene Kompressionswärmepumpe in spezifischen Anwendungsfällen.

Für welche Industrieprozesse eignen sich Wärmepumpen?

Wärmepumpen eignen sich für industrielle Prozesse, die Wärme im Niedertemperaturbereich bis etwa 160 Grad Celsius benötigen und gleichzeitig über nutzbare Wärmequellen wie Abwärme, Abluft oder Abwasser verfügen. Typische Anwendungen sind Trocknungsprozesse, Wassererwärmung, Pasteurisierung, Raumheizung und Dampferzeugung bei niedrigem Druckniveau.

Besonders geeignet sind Branchen mit kontinuierlichem Wärmebedarf und vorhandener Abwärme:

  • Lebensmittel- und Getränkeindustrie: Pasteurisierung, Reinigung, Kühlung und Heizung laufen oft parallel, sodass Abwärme aus Kälteprozessen direkt für Heizzwecke genutzt werden kann.
  • Papier- und Textilindustrie: Trocknungsprozesse erfordern große Mengen Niedertemperaturwärme, die Wärmepumpen effizient bereitstellen.
  • Chemie- und Pharmaindustrie: Prozesswärme für Reaktoren, Destillation und Reinigungsanlagen liegt häufig im optimalen Temperaturbereich.
  • Metallindustrie: Galvanik, Oberflächenbehandlung und Spülbäder profitieren von gleichmäßiger Wärmeversorgung.
  • Holzverarbeitung: Trockenkammern für Holz arbeiten mit Temperaturen, die Wärmepumpen direkt abdecken können.

Voraussetzung ist stets eine ausreichend warme und konstante Wärmequelle. Je geringer die Temperaturdifferenz zwischen Quelle und Nutzwärme, desto höher fällt der COP aus und desto wirtschaftlicher arbeitet die Anlage.

Was ist der Unterschied zwischen Industrie- und Haushaltswärmepumpen?

Der wesentliche Unterschied liegt in Leistungsklasse, Temperaturniveau und Betriebsanforderungen. Haushaltswärmepumpen liefern typischerweise zwischen 5 und 20 Kilowatt Heizleistung bei Vorlauftemperaturen bis etwa 65 Grad Celsius. Industriewärmepumpen hingegen decken Leistungsbereiche von mehreren hundert Kilowatt bis in den Megawattbereich ab und erreichen Prozesstemperaturen von bis zu 160 Grad Celsius oder mehr.

Weitere relevante Unterschiede umfassen:

  • Betriebsdauer: Industriewärmepumpen sind für den Dauerbetrieb rund um die Uhr ausgelegt, während Haushaltssysteme zyklisch arbeiten.
  • Kältemittel: Industrieanlagen nutzen oft spezialisierte Kältemittel, die für höhere Drücke und Temperaturen geeignet sind.
  • Integration: Industriewärmepumpen werden in bestehende Prozessleitsysteme eingebunden und erfordern eine individuelle Planung und Auslegung.
  • Wartung: Der Wartungsaufwand ist deutlich höher und erfordert spezialisiertes Fachpersonal sowie einen zuverlässigen 24-Stunden-Notdienst.
  • Regulierung: Industrieanlagen unterliegen strengeren Vorschriften, zum Beispiel hinsichtlich Druckgeräten und Kältemittelmengen.

Wie viel Energie spart eine Industriewärmepumpe ein?

Eine Industriewärmepumpe kann den Energieverbrauch für die Wärmeerzeugung im Vergleich zu direkten elektrischen Heizungen um 50 bis 75 Prozent senken. Gegenüber Gasheizungen hängen die Einsparungen stark vom aktuellen Energiepreisverhältnis zwischen Strom und Erdgas sowie vom erreichbaren COP der Anlage ab.

Bei einem COP von 4 erzeugt die Wärmepumpe aus einer Kilowattstunde Strom vier Kilowattstunden Wärme. Eine konventionelle Elektroheizung liefert aus derselben Kilowattstunde lediglich eine Kilowattstunde Wärme. Selbst ein moderner Gaskessel mit einem Wirkungsgrad von 95 Prozent kann diesen Effizienzvorsprung nicht ausgleichen, sobald das Strompreisvielfache gegenüber dem Gaspreis unter dem COP liegt.

Hinzu kommt die Möglichkeit, industrielle Abwärme zu nutzen, die andernfalls ungenutzt an die Umgebung abgegeben würde. Betriebe, die bereits Druckluftkompressoren betreiben, verfügen oft über erhebliche Abwärmemengen aus der Verdichtung, die eine Wärmepumpe als Quelle nutzen oder die direkt in Wärmerückgewinnungssysteme eingespeist werden können.

Wann lohnt sich der Einsatz einer Industriewärmepumpe?

Eine Industriewärmepumpe lohnt sich, wenn der Wärmebedarf kontinuierlich und hoch ist, eine geeignete Wärmequelle verfügbar ist und die Prozesstemperaturen unter etwa 160 Grad Celsius liegen. Unter diesen Bedingungen amortisieren sich Investitionskosten in der Regel innerhalb von drei bis acht Jahren.

Folgende Faktoren begünstigen die Wirtschaftlichkeit besonders:

  • Hohe Betriebsstunden: Je länger die Anlage läuft, desto schneller werden die Investitionskosten durch Energieeinsparungen gedeckt.
  • Verfügbare Abwärme: Prozesse mit nutzbarer Abwärme aus Kälteanlagen, Kompressoren oder Produktionsprozessen senken die Betriebskosten erheblich.
  • Steigende Energiepreise: In einem Umfeld mit hohen Gas- oder Ölpreisen verkürzt sich die Amortisationszeit deutlich.
  • Förderprogramme: In Deutschland stehen im Jahr 2026 verschiedene Bundesförderungen für effiziente Wärmenetze und industrielle Prozesswärme zur Verfügung, die die Investitionskosten reduzieren.
  • CO2-Bepreisung: Steigende CO2-Abgaben auf fossile Brennstoffe verbessern die Wirtschaftlichkeit elektrisch betriebener Wärmepumpen kontinuierlich.

Weniger geeignet ist eine Wärmepumpe, wenn der Prozess sehr hohe Temperaturen über 200 Grad Celsius erfordert, der Wärmebedarf stark schwankt oder keine geeignete Wärmequelle vorhanden ist. Eine fundierte Energieberatung mit messtechnischer Analyse ist daher der erste Schritt, bevor eine Investitionsentscheidung getroffen wird.

Wie Galek & Kowald bei Industriewärmepumpen unterstützt

Galek & Kowald begleitet Industriebetriebe von der ersten Analyse bis zur schlüsselfertigen Anlage. Als erfahrener Spezialist im industriellen Anlagenbau verbindet das Unternehmen messtechnisch basierte Energieberatung mit der Planung, Installation und Wartung von Wärmepumpensystemen. Das Leistungsangebot umfasst:

  • Messtechnische Bestandsaufnahme vorhandener Wärmequellen und Wärmesenken im Betrieb
  • Individuelle Auslegung der Wärmepumpenanlage auf Basis realer Prozessdaten
  • Integration in bestehende Anlagen, zum Beispiel in Verbindung mit Druckluftaufbereitung und Kälteanlagen
  • Planung und Umsetzung des Rohrleitungsbaus sowie der Steuerungsintegration
  • Langfristige Betreuung und Wartung nach Inbetriebnahme
  • Unterstützung bei der Beantragung von Fördermitteln und Nachweisen zur Energieeinsparung

Galek & Kowald ist nach ISO 9001:2015 und ISO 14001:2015 zertifiziert und als Vertragspartner von Atlas Copco sowie Mitglied der airgroup einem hohen Qualitätsstandard verpflichtet. Wenn Sie prüfen möchten, ob eine Industriewärmepumpe für Ihren Betrieb wirtschaftlich sinnvoll ist, nehmen Sie jetzt Kontakt auf und vereinbaren Sie eine unverbindliche Erstberatung.

Ähnliche Artikel