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Wie wird Stickstoff in der Produktion erzeugt?

Jörg Steinbrücker ·
Stickstoffgeneratoranlage mit Stahlmembranmodulen und Druckbehältern in einer sauberen Industrieanlage.

Stickstoff wird in der Produktion vor allem durch zwei Verfahren erzeugt: die Druckwechseladsorption (PSA) und die Membrantechnologie. Beide Methoden nutzen Druckluft als Ausgangsstoff und trennen den Stickstoff direkt vor Ort vom Luftsauerstoff. Welches Verfahren am besten geeignet ist, hängt vom benötigten Reinheitsgrad und dem Mengenbedarf ab. Die folgenden Abschnitte erläutern die einzelnen Verfahren, ihre Unterschiede und wann sich eine eigene Anlage gegenüber Flaschengas rechnet.

Welche Verfahren werden zur Stickstofferzeugung eingesetzt?

Zur industriellen Stickstofferzeugung werden hauptsächlich drei Verfahren eingesetzt: die Druckwechseladsorption (PSA), die Membrantechnologie und die kryogene Luftzerlegung. Für die dezentrale Produktion direkt im Betrieb dominieren PSA und Membranverfahren, da sie kompakt, wartungsarm und wirtschaftlich betreibbar sind. Die kryogene Zerlegung lohnt sich erst bei sehr großen Mengen und höchsten Reinheitsanforderungen.

Alle drei Verfahren nutzen die Tatsache, dass Luft zu etwa 78 Prozent aus Stickstoff besteht. Der Unterschied liegt darin, wie Sauerstoff, Argon und andere Bestandteile abgetrennt werden. PSA-Anlagen arbeiten mit einem Adsorptionsmittel, Membrananlagen mit selektiv durchlässigen Hohlfasern, und kryogene Anlagen verflüssigen die Luft durch extreme Kühlung und trennen die Komponenten durch Destillation. Für die meisten Industriebetriebe sind PSA und Membran die praktikablen Standardlösungen.

Wie funktioniert die Druckwechseladsorption (PSA) bei der Stickstofferzeugung?

Bei der PSA-Stickstofferzeugung wird gereinigte Druckluft durch einen Behälter mit Kohlenstoffmolekularsieb (CMS) geleitet. Dieses Material adsorbiert Sauerstoffmoleküle bevorzugt und lässt Stickstoff passieren. Durch den regelmäßigen Druckwechsel zwischen zwei Behältern wird das Adsorptionsmittel kontinuierlich regeneriert, sodass die Anlage ohne Unterbrechung Stickstoff liefert.

Das Verfahren arbeitet typischerweise in zwei Phasen. Während Behälter A unter Druck Stickstoff produziert, wird Behälter B drucklos regeneriert und der gebundene Sauerstoff abgeblasen. Anschließend wechseln die Rollen. Dieser zyklische Prozess ermöglicht einen quasi-kontinuierlichen Betrieb. PSA-Anlagen erreichen Reinheitsgrade von bis zu 99,999 Prozent und eignen sich damit auch für anspruchsvolle Anwendungen wie die Lebensmittelverpackung, Elektronikfertigung oder Pharmaindustrie.

Ein wesentlicher Vorteil von PSA-Systemen ist ihre Skalierbarkeit. Vom kleinen Laborgerät bis zur großindustriellen Anlage lässt sich das Prinzip flexibel anpassen. Der Energieverbrauch hängt direkt vom benötigten Reinheitsgrad ab: Je höher die geforderte Reinheit, desto mehr Druckluft wird pro Kubikmeter erzeugtem Stickstoff benötigt.

Wie erzeugt eine Membrananlage Stickstoff?

Eine Membrananlage zur Stickstofferzeugung nutzt Hohlfasermembranen aus Polymermaterialien, durch die Druckluft geleitet wird. Sauerstoff und Wasserdampf diffundieren aufgrund ihrer kleineren Molekülgröße und höheren Permeabilität schneller durch die Membranwand als Stickstoff. Der zurückbleibende, mit Stickstoff angereicherte Gasstrom wird als Produktgas abgeleitet.

Membrananlagen sind besonders robust und wartungsarm, da sie keine beweglichen Teile besitzen. Sie starten sofort, benötigen keine Aufwärmphase und arbeiten völlig geräuschlos. Allerdings sind die erreichbaren Reinheitsgrade im Vergleich zur PSA-Technologie begrenzt. Typisch sind Reinheiten von 95 bis 99,5 Prozent, was für viele Anwendungen ausreicht, etwa für Inertisierung, Reifenbefüllung oder einfache Schutzgasanwendungen.

Ein weiterer Unterschied zur PSA: Bei Membrananlagen steigt der Druckluftverbrauch mit zunehmendem Reinheitsgrad überproportional an. Wer sehr hohe Reinheiten benötigt, stößt hier schnell an wirtschaftliche Grenzen. Für moderate Reinheitsanforderungen und kontinuierlichen Betrieb sind Membrananlagen jedoch oft die kostengünstigere und platzsparendere Wahl.

Wann lohnt sich ein eigener Stickstoffgenerator gegenüber Flaschengas?

Ein eigener Stickstoffgenerator lohnt sich in der Regel ab einem kontinuierlichen Tagesbedarf von mehr als einigen Kubikmetern, wenn die Gesamtbetriebskosten über mehrere Jahre gerechnet werden. Die Investition amortisiert sich typischerweise innerhalb von ein bis drei Jahren, da die laufenden Kosten für Flaschengas, Logistik und Mietgebühren entfallen.

Bei der Entscheidung spielen mehrere Faktoren eine Rolle:

  • Verbrauchsmenge: Je höher der tägliche Bedarf, desto schneller rechnet sich die Eigenversorgung.
  • Versorgungssicherheit: Eigene Generatoren eliminieren Lieferrisiken und Engpässe bei Flaschengas.
  • Reinheitsanforderungen: PSA-Generatoren können Reinheiten liefern, die mit Standardflaschen nicht immer zuverlässig verfügbar sind.
  • Logistikaufwand: Entfallende Flaschenwechsel und Liefertermine sparen Zeit und Personalkosten.
  • Druckluftinfrastruktur: Wer bereits eine leistungsfähige Druckluftversorgung betreibt, hat die wichtigste Voraussetzung bereits erfüllt.

Betriebe mit schwankendem oder sehr geringem Bedarf fahren mit Flaschengas oft günstiger. Sobald jedoch Stickstoff regelmäßig und in nennenswerter Menge benötigt wird, überwiegen die Vorteile der Stickstofferzeugung vor Ort in der Regel deutlich.

Welche Stickstoffreinheit wird in der Industrie benötigt?

Die benötigte Stickstoffreinheit variiert je nach Anwendung erheblich. Für einfache Inertisierungsaufgaben genügen oft 95 bis 98 Prozent Reinheit, während die Elektronikfertigung, Laserschneiden oder pharmazeutische Prozesse Reinheiten von 99,9 Prozent und mehr erfordern. Die Reinheit wird üblicherweise in der Notation “5.0” (99,999 %) oder ähnlich angegeben.

Typische Reinheitsanforderungen nach Branche:

  • Lebensmittelverpackung und MAP: 99,5 bis 99,9 Prozent
  • Laserschneiden von Metallen: 99,9 bis 99,999 Prozent
  • Elektronikfertigung und Löten: 99,999 Prozent und höher
  • Reifenbefüllung und einfache Inertisierung: 95 bis 98 Prozent
  • Pharmazie und Medizintechnik: je nach Prozess bis 99,9999 Prozent

Ein zu hoher Reinheitsgrad verursacht unnötige Betriebskosten, da PSA-Anlagen für höhere Reinheiten mehr Druckluft verbrauchen. Eine sorgfältige Analyse des tatsächlichen Bedarfs ist daher wirtschaftlich entscheidend. Oft lässt sich durch eine präzise Bedarfsermittlung die Anlage optimal dimensionieren und der Energieverbrauch gezielt reduzieren.

Wie hängen Druckluftversorgung und Stickstofferzeugung zusammen?

PSA- und Membrananlagen zur Stickstofferzeugung benötigen aufbereitete Druckluft als Eingangsmedium. Die Qualität und der Druck der bereitgestellten Druckluft bestimmen direkt die Effizienz, den Reinheitsgrad und die Lebensdauer der Stickstoffanlage. Ohne eine zuverlässige und sauber aufbereitete Druckluftversorgung arbeitet kein Stickstoffgenerator wirtschaftlich.

Konkret müssen folgende Anforderungen erfüllt sein:

  • Druckniveau: Die meisten Generatoren benötigen einen Eingangsdruck von 6 bis 10 bar. Ein zu niedriger Druck reduziert die Produktionsleistung erheblich.
  • Trockenheit: Feuchtigkeit schädigt das Kohlenstoffmolekularsieb bei PSA-Anlagen und verringert die Membranlebensdauer. Ein vorgeschalteter Drucklufttrockner ist daher zwingend erforderlich.
  • Ölfreiheit: Ölrückstände aus dem Kompressor können Membranen und Adsorptionsmittel dauerhaft beschädigen. Eine hochwertige Druckluftaufbereitung mit Filtern ist unerlässlich.
  • Ausreichende Kapazität: Der Kompressor muss den Druckluftbedarf des Generators abdecken, ohne andere Verbraucher zu beeinträchtigen.

Wer Stickstoff im Betrieb erzeugen möchte, sollte daher immer zuerst die bestehende Druckluftinfrastruktur prüfen und gegebenenfalls anpassen. Eine integrierte Betrachtung beider Systeme vermeidet Engpässe und sorgt für einen stabilen, effizienten Betrieb.

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