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Was ist der Unterschied zwischen Druckluft und Stickstoff in der Produktion?

Jörg Steinbrücker ·
Edelstahl-Druckluftleitung und Stickstoffdruckbehälter mit Kondensation auf poliertem Industrieboden, diffuses Deckenlicht.

Druckluft und Stickstoff sind zwei grundlegend verschiedene Gase, die in der industriellen Produktion unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Druckluft besteht aus komprimierter Umgebungsluft und enthält Sauerstoff, Feuchtigkeit und Spurengase, während Stickstoff ein reines, inertes Gas ist, das chemische Reaktionen verhindert. Welches Gas für welchen Prozess geeignet ist und was bei Kosten, Reinheit und Anlagentechnik zu beachten ist, zeigen die folgenden Abschnitte.

Wann ist Stickstoff besser geeignet als Druckluft?

Stickstoff ist besser geeignet als Druckluft, wenn Sauerstoff im Prozess schädlich ist. Überall dort, wo Oxidation, Korrosion, Entzündung oder unerwünschte chemische Reaktionen verhindert werden müssen, bietet Stickstoff als inertes Gas entscheidende Vorteile. Typische Anwendungsgebiete sind die Lebensmittelverpackung, die Elektronikindustrie, der Metallbereich und die Pharmaindustrie.

In der Lebensmittelindustrie wird Stickstoff eingesetzt, um Verpackungen unter Schutzatmosphäre zu versiegeln und so den Oxidationsprozess zu verlangsamen, der Frische und Haltbarkeit beeinträchtigt. In der Elektronikfertigung schützt Stickstoff empfindliche Bauteile beim Löten vor Oxidschichten. Im Metallbereich, etwa beim Laserschneiden oder Schweißen, verhindert Stickstoff als Prozessgas unerwünschte Anlauffarben und Oxidrückstände auf Schnittflächen.

Druckluft hingegen ist die richtige Wahl für mechanische Anwendungen wie das Antreiben von Werkzeugen, Reinigungsprozesse, pneumatische Steuerungen oder allgemeine Transportaufgaben, bei denen der Sauerstoffanteil keine Rolle spielt. Kurz gesagt: Überall dort, wo Chemie und Reinheit entscheiden, ist Stickstoff im Vorteil. Überall dort, wo mechanische Kraft und Volumen gefragt sind, ist Druckluft wirtschaftlicher.

Wie wird Stickstoff in der Industrie erzeugt?

Stickstoff wird in der Industrie hauptsächlich durch zwei Verfahren erzeugt: die Druckwechseladsorption (PSA) und die Membrantrennung. Beide Verfahren trennen Stickstoff direkt aus der Umgebungsluft ab und ermöglichen eine dezentrale, bedarfsgerechte Versorgung ohne externe Lieferung.

Druckwechseladsorption (PSA)

Bei der PSA-Technologie wird komprimierte Luft durch ein Adsorptionsmaterial geleitet, das Sauerstoff und andere Bestandteile bindet und Stickstoff mit hoher Reinheit durchlässt. Durch den Wechsel zwischen zwei Behältern, von denen einer regeneriert wird, während der andere produziert, läuft der Prozess kontinuierlich. PSA-Anlagen erreichen Reinheitsgrade von bis zu 99,999 Prozent und sind besonders für Anwendungen geeignet, die eine sehr hohe Stickstoffreinheit erfordern.

Membrantrennung

Bei der Membrantrennung strömt Druckluft durch hohle Membranfasern, durch die Sauerstoff und Feuchtigkeit schneller diffundieren als Stickstoff. Das Ergebnis ist ein kontinuierlicher Stickstoffstrom mit Reinheitsgraden von typischerweise 95 bis 99,5 Prozent. Membranerzeuger sind kompakt, wartungsarm und eignen sich gut für Anwendungen mit moderaten Reinheitsanforderungen.

Eine dritte Option ist die Versorgung über Flüssigstickstoff aus externen Tanks, was sich vor allem bei sehr hohem Bedarf oder extrem hohen Reinheitsanforderungen rechnet. Für die meisten mittelständischen Produktionsbetriebe ist jedoch die eigene Erzeugung per PSA oder Membran langfristig wirtschaftlicher, da laufende Lieferkosten entfallen.

Was kostet Stickstoff im Vergleich zu Druckluft?

Stickstoff ist in der Erzeugung teurer als Druckluft, weil er einen zusätzlichen Trennprozess erfordert. Während Druckluft lediglich durch Komprimierung der Umgebungsluft entsteht, muss Stickstoff aktiv aus der Luft isoliert werden, was mehr Energie und Anlagentechnik erfordert. Die genauen Kosten hängen stark vom Verfahren, der geforderten Reinheit und dem Verbrauchsvolumen ab.

Bei der Eigenproduktion über PSA oder Membranerzeuger fallen einmalige Investitionskosten für die Anlage sowie laufende Energiekosten an. Im Vergleich zur regelmäßigen Flaschenlieferung oder zum Tankauffüllen amortisieren sich Eigenerzeugungsanlagen bei kontinuierlichem Bedarf häufig innerhalb weniger Jahre. Druckluft ist dabei grundsätzlich günstiger in der reinen Erzeugung, aber nicht jede Anwendung lässt sich mit Druckluft realisieren.

Ein oft unterschätzter Kostenfaktor bei Druckluft sind Leckageverluste im Leitungsnetz. In vielen Produktionsbetrieben gehen durch undichte Leitungen erhebliche Mengen komprimierter Luft verloren, was den Energieverbrauch und damit die Betriebskosten deutlich erhöht. Regelmäßige Leckageprüfungen und Energieaudits helfen, diese versteckten Kosten zu senken.

Welche Reinheitsklassen gelten für Druckluft und Stickstoff?

Für Druckluft gelten die Reinheitsklassen der ISO 8573-1, die Anforderungen an Partikel, Feuchtigkeit und Ölgehalt definieren. Für Stickstoff wird die Reinheit in der Regel als prozentualer Stickstoffanteil oder in Reinheitsgraden angegeben, wobei in der Industrie Werte zwischen 95 und 99,999 Prozent üblich sind.

Die ISO 8573-1 unterteilt Druckluft in Klassen von 0 bis 6, je nach Konzentration von Partikeln, Wasser und Öl. Klasse 1 entspricht dabei der höchsten Reinheit und wird in sensiblen Bereichen wie der Pharmaindustrie oder der Lebensmittelverarbeitung verlangt. Klasse 4 oder 5 reicht für allgemeine industrielle Anwendungen wie pneumatische Steuerungen oder Werkzeugantriebe.

Bei Stickstoff richtet sich die Anforderung nach dem Verwendungszweck. Für das Inertisieren von Tanks oder einfache Schutzgasanwendungen genügen oft Reinheitsgrade ab 99,5 Prozent. Für die Elektronikindustrie oder analytische Laborzwecke werden dagegen Werte von 99,999 Prozent und höher benötigt. Es ist wichtig, die tatsächlich benötigte Reinheit zu kennen, da unnötig hohe Reinheitsanforderungen die Produktionskosten erheblich steigern.

Können Druckluft- und Stickstoffanlagen kombiniert werden?

Ja, Druckluft- und Stickstoffanlagen lassen sich sehr gut kombinieren und werden in der Praxis häufig als integriertes System betrieben. Da Stickstofferzeuger auf Basis von PSA oder Membrantechnologie komprimierte Luft als Ausgangsstoff benötigen, bildet die Druckluftanlage die Basis für die Stickstofferzeugung.

In einem kombinierten System versorgt ein zentraler Kompressor sowohl das Druckluftnetz für mechanische und pneumatische Anwendungen als auch den nachgeschalteten Stickstofferzeuger. Dieser Aufbau ist platzsparend, reduziert den Wartungsaufwand und ermöglicht eine zentrale Steuerung beider Systeme. Wichtig ist dabei, dass der Kompressor für den zusätzlichen Bedarf des Stickstofferzeugers ausreichend dimensioniert ist.

Kombinierte Systeme bieten auch Vorteile bei der Energierückgewinnung. Die Kompressionswärme, die beim Betrieb von Schraubenkompressoren entsteht, lässt sich über Wärmerückgewinnungsanlagen für Heizzwecke oder Prozesswärme nutzen und steigert so die Gesamteffizienz der Anlage erheblich. Für Betriebe, die beide Gasarten benötigen, ist die kombinierte Lösung daher oft die wirtschaftlichste und technisch sauberste Option.

Wie Galek & Kowald bei Druckluft- und Stickstofflösungen unterstützt

Galek & Kowald plant, liefert und betreibt sowohl Druckluftanlagen als auch Stickstoffsysteme für Industriebetriebe jeder Größe. Als erfahrener Spezialist im Anlagenbau begleitet das Unternehmen Kunden von der ersten Bedarfsanalyse bis zur schlüsselfertigen Anlage und darüber hinaus. Das konkrete Leistungsangebot umfasst:

  • Auslegung und Installation von Druckluftanlagen, PSA-Stickstofferzeugern und Membransystemen
  • Messtechnisch basierte Energieberatung zur Ermittlung des tatsächlichen Bedarfs und zur Auswahl des wirtschaftlichsten Verfahrens
  • Planung kombinierter Druckluft- und Stickstoffsysteme mit integrierter Wärmerückgewinnung
  • Leckageortung und Energieeffizienzprojekte zur Senkung laufender Betriebskosten
  • Langfristige Betreuung und Wartung, damit Anlagen dauerhaft wirtschaftlich und normkonform betrieben werden

Galek & Kowald ist Vertragspartner von Atlas Copco und nach ISO 9001:2015 sowie ISO 14001:2015 zertifiziert, was höchste Qualitäts- und Umweltstandards garantiert. Ob Neubau, Erweiterung oder Optimierung bestehender Anlagen: Nehmen Sie jetzt Kontakt auf und erhalten Sie eine individuelle Beratung zu Ihrer Druckluft- oder Stickstofflösung. Weitere Informationen zum Leistungsspektrum finden Sie auf der Website von Galek & Kowald.